Energiepflanzen – Chancen und Risiken

Aus Sicht des Natur-, Boden- und Gewässerschutzes bietet die energetische Nutzung pflanzlicher Biomasse aus der Forst- und Landwirtschaft Chancen und Risiken. Entscheidend ist, ob Anforderungen der Nachhaltigkeit berücksichtigt werden. Gleichwohl machen aktuelle Entwicklungen deutlich, dass ökonomische und politische Einflussgrößen auch zu Fehlentwicklungen führen können. Zum Beispiel kann der großflächige Anbau weniger, besonders ertragreicher Pflanzen sowohl national als auch international zu Belastungen von Böden und Gewässern beitragen. Durch erhöhte Mineralisierungsraten nach der Trockenlegung von Mooren oder durch die Abholzung von Tropenwald können in einigen Fällen sogar die angestrebten CO2-Minderungsbeiträge konterkariert werden.

Die Auswirkungen des verstärkten Energiepflanzenanbaus auf Natur, Boden und Wasser können anhand von Flächen- und Verfahrenswirkungen bewertet werden. Dazu hat das Ingenieurbüro Feldwisch in Zusammenarbeit mit dem Büro für Umwelt- und Regionalentwicklung von Frau Meyer-Marquart eine Vorstudie “Rahmenbedingungen und Potenziale für eine natur- und umweltverträgliche energetische Nutzung von Biomasse im Freistaat Sachsen” im Auftrag des sächsischen Landesamtes für Umwelt und Geologie erstellt (Dezember 2006).

Wir differenzieren und bewerten die Natur- und Umweltverträglichkeit des Energiepflanzenanbaus anhand folgender Aspekte:

  • Halmgutartige bzw. einjährige Energiepflanzen
    Umweltwirkungen sind weitgehend vergleichbar mit klassischen Anbaukulturen.
  • Holzartige bzw. mehrjährige Energiepflanzen
    (Kurzumtriebsplantagen / Energieholzanbau, Miscanthus / Chinaschilf, Sudangras etc.)
    Umweltwirkungen weichen zum Teil deutlich von denen klassischer Anbaukulturen ab.
  • Flächenwirkungen
    Flächenumfang des Energiepflanzenanbaus ist umweltwirksam, z. B. die “Vermaisung” der Landschaft in der Umgebung von Biogasanlagen
  • Verfahrenswirkungen
    Bewirtschaftungsverfahren des
    Energiepflanzenanbaus sind umweltwirksam.
    Zur sachgerechten Bewertung der Umweltwirkungen sollte zwischen verschiedenen Verfahrensschritten differenziert werden, insbesondere
    – Fruchtfolgegestaltung
    – Bodenbearbeitung und Bestellung
    – Düngung
    – Pflanzenschutz
    – Ernteverfahren
    – Speziell bei Grünland:
    Schnittzeitpunkt/-frequenz und Grünlandumbruch

Photo: Sonnenblume
Photo: Weizen
Photo: KUP Weide

Chancen und Risiken (Auswahl)

  • Die Anbauvielfalt kann sich verbreitern durch den Anbau neuer Kulturen, Zwei-/Mischfruchtanbau, alte Kulturpflanzen etc. Jedoch: Derzeitige Praxis deutet in die andere Richtung!
  • Das Habitatangebot für wild lebende Tiere kann zunehmen, insbesondere bei mehrjährigen und holzartigen Kulturen sind positive Effekte bei Vögeln, Spinnen und Käfern nachgewiesen worden. Jedoch: Wirkung abhängig von vorhandenen Nutzungsstrukturen.
  • Die Bodenruhe bei mehrjährigen Kulturen ist aus Sicht des Boden- und Gewässerschutzes durch die Förderung des Bodenlebens, Reduzierung der Bodenerosion und Auswaschung etc. positiv zu bewerten. Jedoch: Im Stadium der Bestandsgründung, bei der Ernte und bei der Rückumwandlung sind Boden- und Gewässerbelastungen nicht auszuschließen.
  • Die Düngungs- und Pflanzenschutzintensität kann reduziert werden, weil die Qualitätsanforderungen an Energiepflanzen im Vergleich zu Lebens- und Futtermitteln geringer sind. Jedoch: Bei dominantem Anbau nur weniger Energiepflanzenarten (“Verrapsung” und “Vermaisung” der Landschaft) treten vermehrt phytosanitäre Probleme auf, die erhöhte Aufwendungen von Pflanzenschutzmitteln notwendig machen.
  • Bodenerosion und Nährstoffauswaschung können verstärkt auftreten, wenn der Maisanbau weiter ausgedehnt wird.
  • Beeinflussung des Landschaftswasserhaushaltes
    Der Zweifruchtanbau oder der Anbau mehrjähriger Kulturen führt standortabhängig zu einer Steigerung der Evapotranspiration zwischen 50 bis 400 mm je Jahr im Vergleich zu einjährigen Ackerkulturen. In Regionen mit geringer positiver klimatischer Wasserbilanz kann das Grundwasserdargebot und das Abflussregime von Fließgewässern dadurch empfindlich gestört werden.
  • Schädlichen Bodenveränderungen / Altlasten
    Synergieeffekte können durch den Anbau von Energiepflanzen auf schadstoffbelasteten Böden realisiert werden. Neben der energetischen Nutzung des Aufwuchses kann gleichzeitig die Schadstoffbelastung des Bodens reduziert (Phytoextraktion, Phytoremediation) oder die Verfügbarkeit der Schadstoffe verringert (Phytostabilisierung) werden.
  • Landschaftsbild
    Sowohl positive als auch negative Wirkungen sind möglich.

Empfehlung: Chancen und Risiken sind nur bei differenzierter Bewertung der Natur- und Umweltwirkungen richtig zu erfassen und zu bewerten.

Leistungsangebot des Ingenieurbüros Feldwisch:

  • Erfassung von technischen und realisierbaren Biomassepotenzialen
  • Erfassung und Bewertung der standörtlichen und bewirtschaftungsbedingten Wirkungen des Energiepflanzenanbaus
  • Ableiten natur- und umweltverträglicher Anbausysteme für Energiepflanzen
  • Verwertungskonzepte für Biogasgülle und Verbrennungsaschen zur Vermeidung von Auswaschungsverlusten
  • Sanierungsplanung für schadstoffbelastete Böden (Phytoextraktion, Phytostabilisierung)

Referenzen des Ingenieurbüros Feldwisch: